'Ein weiterer Imam wird Österreich innerhalb von ein paar Tagen verlassen.'

Yakup A., der Vorbeter der Ahir Devran Moschee in der niederösterreichischen Gemeinde St. Veit an der Gölsen musste gestern (Mittwoch) gemeinsam mit seiner Ehefrau Österreich verlassen, weil sein Aufenthaltstitel gemäß des neuen Islamgesetzes nicht verlängert wurde.

'Ein weiterer Imam wird Österreich innerhalb von ein paar Tagen verlassen.'
(haberjournal) – Dass Yakup A. als erster Imam Österreich verlassen musste fand breites Interesse in den Medien. Der Vorsitzende von ATIB, Fatih Karadas sprach heute zu haberjournal.at.  
 
Karadas erklärte, dass Yakup A. wegen dem im neuen Islamgesetz vorgesehenem Finanzierungsverbot gehen musste. Man habe Einspruch erhoben und die Sache vor Gericht gebracht, so Karadas.
 
Laut Karadas kam die Polizei am Freitag in die Wohnung des Imams, dennoch befand er sich zu diesem Zeitpunkt nicht zuhause. “Am Freitag kam die Polizei in die Wohnung von Yakup A., er war jedoch nicht zuhause. Obwohl sein Anwalt der Polizei gegenüber zusicherte, dass sein Mandant Österreich am Donnerstag verlassen würde, tauchte die Polizei am Mittwochmorgen nochmals vor der Wohnung auf, woraufhin Yakup A. ein Ticket für den Mittwochabend kaufte und am selben Tag gemeinsam mit seiner Frau Österreich verließ.”, so Karadas.
 
Karadas betonte, dass der Aufenthaltstitel eines weiteren Imams ebenfalls nicht verlängert wurde und dass auch dieser innerhalb von ein paar Tagen Österreich verlassen werde.
 
Die Aufenthaltstitel der beiden Imame wurden laut Karadas deshalb nicht verlängert, weil sie nach Inkrafttreten des neuen Islamgesetzes eingereist waren. Die meisten Imame die nach dem 31. März 2015 einen Antrag auf Verlängerung stellten, sollen diese für ein Jahr, manche sogar bis September oder Oktober 2016 bekommen haben – die Verfahrensweise würde je nach Bundesland variieren.
 
Karadas: “Wir werden Einspruch einlegen für all die Imame die keine Verlängerung gewährt bekommen haben”
 
Karadas erklärte, dass sie Einspruch einlegen werden für die Imame die keine Verlängerung gewährt bekommen haben. Karadas sagte: “Wir werden Einspruch einlegen für all die Imame die keine Verlängerung gewährt bekommen haben. Kritik auszuüben und einen Antrag vor Gericht zu stellen sind demokratische Rechte. Sie fragen uns, ‘Warum legt ihr Einspruch ein? Seid ihr gegen das Islamgesetz?’. Österreich ist ein demokratisches Land und wir machen von unseren verfassungsmäßigen Rechten brauch. Das kann nur natürlich sein. Wir sind nicht gegen das Islamgesetz als Ganzes. Wir ziehen auch nicht vor Gericht um das Islamgesetz abzuschaffen – worauf wir kein Recht hätten. Aber wir haben das Recht, gegen Bestimmungen gerichtlich vorzugehen, welche unseren verfassungsmäßigen Grundrechten schaden. Natürlich befinden sich im Gesetztext gute Bestimmungen, sowie auch weniger gute. Darunter sind manche die wir kritisieren. Zum Beispiel ist die Bestimmung, die es Muslimen erlaubt Tiere nach islamischem Recht zu schächten, eine gute. Es ist jedoch zu bedauern, dass man es bis 2015 versäumt hat den Muslimen gesetzlich das Recht zu gestehen selbst entscheiden zu dürfen was sie essen wollen oder dürfen. Außerdem ist es falsch diese Bestimmung wie eine Gnade zu präsentieren. Denn einer der wichtigsten Grundrechte jedes Individums ist das Essen und Trinken. Dieser Punkt befand sich auch schon vorher in der österreichischen Gesetzgebung.”
 
Alle Imame die in den ATIB-Moscheen tätig sind würden über eine Hochschulausbildung verfügen, und sie alle müssten eines Tages Österreich verlassen, weil ihr Aufenthaltstitel ablaufen würde, so der Vorsitzende von ATIB. Er betonte weiterhin, dass sie bemüht seien qualitativ gleichwertige Imame zu finden – dies hätte sich aber als äußerst schwer herausgestellt.
 
Karadas: “Es werden Imame kommen die die Werte von Österreich kennen und den Islam predigen werden”
 
Karadas betonte, dass die türkische Religionsbehörde ab sofort keine Imame mehr schicken würde: “Wir werden an Stelle der Imame die Österreich verlassen mussten andere finden, die die Werte von Österreich kennen, der österreichischen Gesellschaftsstruktur treu ergeben sind und den Islam predigen. Ihre Gehälter werden von den Gemeinden getragen. Mit anderen Worten können wir mit dem neuen Gesetz Vorbeter in der Türkei finden und diese Einstellen. Wir möchten jedoch Imame bringen die eine Hochschulausbildung vorweisen und qualitativ gleichwertig sind.”
 
Auf unsere Frage “Die Bundesregierung legt Wert darauf, dass die Imame über deutsche Sprachkenntnisse verfügen. Was denkt ihr darüber?” sagt Karadas: “Wir wünschen uns natürlich auch, dass ein Imam in Österreich über Deutschkenntnisse verfügt und diese Sprache spricht. Aber ein Imam wächst nun mal nicht am Baum.”
 
Des Weiteren betont der ATIB-Vorsitzende: “Wir predigen seit Jahren dafür, dass Jugendliche mit Deutschkenntnissen eine Imam-Ausbildung bekommen. In diesem Zusammenhang wurde vor 5-6 Jahren in der Türkei eine theologische Fakultät eröffnet in der sich gebürtige Österreicher nach ihrem Abitur immatrikulieren können. Diese kehren nach ihrem Abschluss nach Österreich als Imame zurück. Wir können natürlich keinen Studenten in Österreich dazu zwingen, eine theologische Ausbildung in der Türkei zu absolvieren. Wir hätten da ein Vorschlag an Österreich. Die Türkei kann mit ihrer langjährigen Erfahrung in der Ausbildung von Imamen Hilfe leisten. Denn nur ein Theologiestudium alleine reicht nicht aus, um einen Imam auszubilden. Die theologische Fakultät in Österreich sollte in 2016 gegründet werden. Jedoch hören wir jetzt, dass sich alles nach 2018 verschiebt. Unsere Frage ist, wann diese Fakultät in der Lage ist auch Imame auszubilden. Wenn wir davon ausgehen, dass die Fakultät in 2018 ihre Lehraktivitäten aufnimmt, so würden die ersten Absolventen frühestens 2022-2023 zu erwarten sein. Wie viele Absolventen werden es sein? Wie viele davon wollen auch als Imam arbeiten? Werden die Willigen unter den Absolventen auch über die nötigen Fähigkeiten verfügen? Denn die theologischen Fakultäten bilden keine Imame aus – sondern Akademiker.”
 
Karadas: “Wir möchten der österreichischen Gesellschaft einen konstruktiven Beitrag leisten”
 
ATIB sei ein Verein der gemäß österreichischen Gesetzen gegründet wurde und bezwecke der österreichischen Gesellschaft einen konstruktiven Beitrag zu leisten, so der Vorsitzende. Karadas betonte, dass seine Organisation in der Vergangenheit Österreich sehr gut gedient habe und dass sie Österreich bestens kenne. “Es ist sehr bedauernswert, dass besonders diejenigen die gegen Radikalismus auf unserer Seite stehen sollten, uns jetzt mit Radikalismus gleichsetzen und unsere Imame verhindern. Der Grundgedanke des Finanzierungsverbots ist den Radikalismus und die Türkei zu verhindern. Jedoch sendet die Türkei legale Finanzmittel – die Türkei ist kein illegales Land. Jetzt wurden Spenden erlaubt. Jedoch lebt der Radikalismus eben von solchen ‘Spenden’. Wird mit dem Finanzierungverbot wirklich der Radikalismus bekämpft? Oder ist das Gesetz eher gegen die Türkei geschaffen? Diese Fragen müssen gestellt werden und die österreichische Gesellschaft hat das Recht die wahren Gründe zu erfahren. Im Moment müssten die Herrschaften gerade uns unterstützen um den Radikalismus zu bekämpfen. Unsere Moscheen sind offen für jedermann. Jeder kann kommen, sehen und sich selbstständig informieren”, so Karadas.
 

Fotos: ©haberjorunal
 
Güncelleme Tarihi: 18 Şubat 2016, 21:49
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