Erste Äusserungen von Türkis nach dem Angriff: 'Eine ernsthafte Provokation'

Immer mehr Einzelheiten kommen nun eine Woche nach dem Angriff auf das Restaurant Türkis am Samstag ans Tageslicht. 

Erste Äusserungen von Türkis nach dem Angriff: 'Eine ernsthafte Provokation'
© haberjournal

haberjournal.at/Wien - Während der Demonstration, die sich gegen den Putschversuch in der Türkei richtete, kam es zu Gewaltausschreitungen im Restaurant Türkis. Geschäftsführer Gültekin Kara sprach zu haberjournal.

„Diese Ereignisse sind inakzeptabel. Ich möchte betonen, dass wir immer auf der Seite der Demokratie sind. Mögen diejenigen, die ihr Leben bei dem Widerstand ließen, in Frieden ruhen. Wir möchten den Angehörigen der Opfer unser tiefstes Beileid aussprechen und hoffen auf eine schnelle Genesung der Verletzten“, mit diesen Worten verurteilte Kara den Putschversuch und führte weiter aus, „dass sich die Türkei aus diesen chaotischen Verhältnissen schnellstens erholt und die friedlichen Verhältnisse wieder hergestellt werden, ist auch in unserem Interesse.‘‘

‘’PROTESTMARSCH IN WIEN’’
 
Kara betonte ebenfalls, dass sein Restaurant zu Unrecht angegriffen worden sei: „Lasst uns alle für die Demokratie demonstrieren. Übergriffe auf Hab und Gut anderer ist jedoch völlig inakzeptabel, gerade bei einer Demonstration für die Demokratie. Wir verurteilen die Tat aufs Schärfe.“

‘’ES HANDELT SICH UM EINE ERNSTZUNEHMENDE PROVOKATION’’
 
Kara stellte weiters klar, dass von Türkis aus  keine Meinungsverschiedenheiten mit den Veranstaltern der Demonstration vorhanden sei. Der Angriff gegen sein Restaurant sei eine ernstzunehmende Provokation. Die Identität der Täter, die seine Gäste terrorisierten, sei festgestellt und eine Anzeige bereits im vollen Gange.

Dabei handelte es sich um dieselbe Gruppe von 50-60 Jugendlichen, die auch nach Abschluss der Demonstration vor dem Lokal erschienen und die gehisste Fahne entfernen wollten.

‘’DIE TÜRKİSCHE FAHNE WURDE VON EINEM FREUND GEHISST’’
 
Die türkische Fahne wurde von einem der Mitarbeiter des Restaurants Sedat D., der selbst aus Gaziantep stammt, gehisst. Daraufhin habe einer der Provokateure sich dem Kellner Sedat D. genähert und ihn mit den Worten: „Ihr seid die Letzten, die heute die türkische Fahne hissen dürfen. Entfernt sie sofort!“, aufgefordert, sie sofort zu entfernen. Da erinnerte D. den jungen Unruhestifter, dass die Türkei auch seine Heimat und die türkische Fahne auch seine sei.

Die Ereignisse seien jedoch verdreht und der Menschenmenge anders wiedergeben worden: „Um die Menschenmenge gegen uns aufzubringen, haben sie die Gespräche bewusst anders widergegeben. Sie verbreiteten die Falschinformation, dass unsere Mitarbeiter die Fahne einer terroristischen Organisation gehisst und sie diese heldenhaft entfernt hätten. Danach hätten wir diese durch die türkische Fahne ersetzen wollen, aber dies hätten sie dann eben verhindert. Die Aufnahmen unserer Sicherheitskameras und die der benachbarten Geschäfte wurden überprüft und es wurde festgestellt, dass diese 7-8 Personen, von denen wir vermuten, dass sie es auf eine Provokation abgesehen haben, sich während der gesamten Demonstration zusammen bewegten. Auf den Aufnahmen war auch erkennbar, dass fünf bis zehn Minuten vor Beginn der Demonstration eine unbekannte Person das Restaurant und seine Umgebung auskundschaftete. Danach war dieser sehr intensiv damit beschäftigt, Nachrichten über sein Handy zu verfassen. Ich möchte hier unterstreichen, dass sich diese Provokateure selbst nicht an den Übergriffen beteiligten. Vielmehr haben sie die Menschenmengen auf uns gehetzt und sich selbst danach komplett zurückgezogen.“

Kara verriet weiters: „Die Provokateure waren neben Jugendlichen zu sehen. Jugendliche sind leichter für so etwas zu haben. Unsere harte Reaktion gilt nicht diesen Jugendlichen, sondern jenen, die diese mit Lügen auf uns gehetzt haben.“

‘’WIR HABEN DAS SOCIAL-MEDIA-KONTO DES VERDÄCHTIGEN ÜBERPRÜFT’’
 
Man habe das Social-Media-Konto der Person, welche die Diskussion rund um die Fahnen startete, überprüft. Diese Person beleidigte wiederholt den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Araber und den Islam. Man habe Screenshots von diesen Beiträgen gemacht und an die Polizei weitergegeben. „Diese Person hat versucht eine ernste Provokation herbeizuführen. Er und seine Komplizen haben das Leben unserer Kunden, unserer Mitarbeiter und der Zivilisten auf der Straße sowie das der Polizisten gefährdet. Die Polizei fahndet derzeit nach ihnen. Es sollte rasch eine Ermittlung wegen Verdacht auf Terrorismus seitens der Polizei gestartet werden‘‘, so Kara.

‘’WIR DÜRFEN NICHT DIE GESAMTE GEMEINDE FÜR DEN ÜBERGRIFF VERANTWORTLICH MACHEN’’
 
„Wir dürfen aufgrund des Übergriffs auf unser Restaurant, welcher von Provokateuren gestartet wurde, die gesamte türkische Gemeinde oder alle Demonstranten verantwortlich machen‘‘, betonte Kara und fügte hinzu, „schließlich befanden sich dort auch Menschen, die sich ehrlich zur Demokratie und gegen Militärgewalt bekennen wollten. Wir haben uns die Videos zum Zeitpunkt des Übergriffs angesehen. Viele Demonstrierende haben auch mit großem körperlichen Einsatz versucht, den Übergriff auf unseren Betrieb zu verhindern. Wir können dies nicht leugnen. Wir möchten uns bei denjenigen bedanken, die ihr eigenes Leben gefährdeten, um diesen Angriff zu verhindern. Da ist mir besonders ein Jugendlicher mit weißem T-Shirt aufgefallen. Seine ganz besondere Bemühung hat mich sehr berührt. Ich wünsche mir, ihn ausfindig machen zu können, damit ich mich persönlich bei ihm für diese Tat bedanken kann.“

‘’WIR WERDEN DIE VIDEOS VERÖFFENTLICHEN’’
 
Man werde die Aufnahmen innerhalb kürzester Zeit mit Untertitel veröffentlichen und den Schlagabtausch zwischen dem Personal und den Provokateuren, welche versucht haben die Fahne zu entfernen, der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, so Kara.

‘’PROVOKATEURE SIND AKTIV IN SOZIALMEDIEN’’
 
Kara betonte, dass provokative Beiträge und eine unglaublich widerliche Propaganda gegen sein Personal und seine Person in den Sozialen Medien verbreitet werde. Gegen weitere Hass-Sympathisanten, die diese Beiträge durch Kommentare unterstützen, wurde ebenfalls Anzeige erstattet.

‘’WIR SIND NICHT GEGEN DIE UETD’’
 
Kara sagte weiterhin, dass sie weder gegen die UETD, noch gegen eine andere Organisation seien. „Wir wissen, dass unsere Gemeinde in Europa solche Organisationen benötigt. Jedoch ist es auch offensichtlich, dass manche Personen in deren Vorständen offensichtliche Schwächen aufweisen“, so Kara.

Sie würden kein Geheimnis aus ihrer Herkunft machen, da es hierfür auch keinen Bedarf gäbe: „Wir sind kurdische Aleviten aus Tunceli-Dersim. Wir haben weder in der Türkei, noch in Österreich eine Verbindung zu irgendeiner politischen Partei, oder zu einer legalen oder illegalen Organisation.Wir sympathisieren auch mit keiner. Türkis bietet heute in ihren 19 Filialen einen sicheren Arbeitsplatz für 250 Menschen. Wir beurteilen Menschen nicht nach ihrem Geburtsort und sind gegen jede kategorische Zuschreibung. Dies ist auch in keiner Religion vorgesehen. Schließlich können Menschen nicht auswählen, wo sie geboren werden, welche Muttersprache sie sprechen werden oder welcher  Ethniesie angehören‘‘, so Kara.

„Österreich ist ein demokratisches Land. Ein unproblematisches Zusammenleben ist durch gegenseitigen Respekt möglich,“ fügte der Geschäftsführer der Restaurantkette Türkis Gültekin Kara gegen Ende des Gesprächs noch  hinzu und bedankte sich nochmals bei jedem, „der nach diesem bedauerlichen Vorfall seine Solidarität durch einen Anruf oder durch einen persönlichen Besuch bekundete.“
 

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